Gemeindereise in die Türkei

12.-25. Mai 2008

 

Hier der Bericht über die Reise - entnommen dem Gemeindebrief der Ev.Kirchengemeinde Ilsfeld, Ausgabe 2008/2:

 

 

Vom Berg Ararat bis Mesopotamien – Eindrücke einer Reise


Dreißig Teilnehmer flogen am Pfingstmontag von Stuttgart zunächst nach Istanbul und am nächsten Tag weiter nach Erzurum, dem Ausgangspunkt unserer Reise. Die Großstadt ist das wirtschaftliche Zentrum der Nordosttürkei. Sie liegt 2100 Meter hoch. Auf den Bergen rundum liegt nach reichlich Schnee. Unsere Reiseleiterin, Frau Meltem, zeigt uns bei der Stadtbesichtigung viele Zeugen christlicher Vergangenheit. Wir genießen einen Blick über die Stadt von der Zitadelle aus.
Am nächsten Tag empfängt uns der Dekan der theologischen Fakultät der Universität. An der Universität studieren 50 000 Studenten, hiervon sind 1/3 Frauen. In seinem Vortrag erklärt uns der Dekan in anschaulichen Worten den Koran. Nach einer Diskussion stellen wir fest, das Bibel und Koran an vielen Stellen das gleiche wollen und meinen!
Wir werden so herzlich verabschiedet, wie wir empfangen wurden. Die Besichtigung von zwei Firmen im Industriegebiet gibt uns einen kleinen Einblick in die Arbeit von hier 2500 Menschen. Der nächste Tag führt uns durch sehr dünn besiedeltes Gebirgsland. Hier wurden im 10.Jh. erste Kirchen und Klöster errichtet. Eine guterhaltene georgische Kreuzkuppelkirche gibt noch heute Beweis dafür. In den Bergen auf etwa  2200 Meter machen wir Rast an einem Wasserfall. Auf dem Weg zur Stadt Kars besuchen wir ein Dorf, in dem ehemalige Auswanderer aus Württemberg lebten. Aus dieser Zeit um 1890 hat auch die Käserei ihren Ursprung, die wir stolz gezeigt bekommen. Wir befinden uns im Grenzgebiet zu Armenien. Auf dem Weg in die altarmenische Stadt Ani können wir noch eines von einst vielen „deutschen Häusern“ von außen ansehen. Leider steht dort nur noch ein Haus.
In Ani sehen wir zahlreiche Kirchenbauten mit gut erhaltenen Fresken. In der einstigen Hauptkirche halten wir die heutige Andacht.
Der neue Tag weckt uns mit der Hoffnung, einen Blick auf den Ararat zu Bekommen. Mit einer Höhe von 5165 Meter hat er das ganze Jahr eine Schneekappe und viele Wolken um den Gipfel.
Wir besichtigen die sehr gut restaurierte Festung „Ishak Pasa“, die auf einer Anhöhe das Tal überblickt. Wir sehen sehr sorgfältig erhaltenen orientalischen Barock und wunderschöne Fresken. Die Seidenstraße brachte hier einst Reichtum. Leider sehen wir den Ararat, den Berg der Schmerzen, nicht.
Weiter geht die Fahrt zum Van-See. Er ist siebenmal größer wie der Bodensee. Die alte Stadt Van, das Zentrum der Urartäer, wie sie die Bibel erwähnt, ist heute ein beliebter Ausflugsort. In den Mauern der Burg berichten Keilschriften von den großen Taten der hier begrabenen Könige.
Mit dem Boot fahren wir auf die Insel Akdamar. Die armenische Klosterkirche „Heiligkreuz“ berichtet in wunderbaren Steinmetzarbeiten an der Außenfassade über die biblische Geschichte. Im Innenraum erzählen uns Fresken die Taten des Neuen Testament.
Unsere Fahrt geht dicht an der syrischen Grenze entlang nach Midyat zum Kloster „Mar Gabriel“. Ein freundlicher Klosterschüler öffnet für uns die Bibel und betet mit uns ein Vaterunser in aramäischer Sprache. Es ist ein besonderes Erlebnis, die Sprache Jesu zu hören. So gestärkt ziehen wir weiter zu den vielen Seltenheiten der Stadt Mardin. Von der Anhöhe dieser schönen Stadt schauen wir in die mesopotamische Ebene.
Bei Diyarbakir erreichen wir den Tigris. Die Stadtmauern sind weltweit die größten und am besten erhaltenen Befestigungen.
Der neue Morgen bringt gutes Wetter, das wir brauchen zu einer Fahrt auf den Nemrud-Berg, der als 8. Weltwunder gilt. Auf dem 2150 Meter hohen Gipfelplateau ließ König Antiochius I. seinen Grabtumulus anlegen und mit Kolossalstatuen von sich sowie Tier- und Menschengöttern umstellen. Schneller als gedacht, weil uns Milliarden von Marienkäfern plagen, ziehen wir weiter zum Atatürk-Staudamm. Das größte Bauwerk für Wassertechnik hat eine Länge von zwei Kilometer und eine Höhe von 176 Meter.
Unser Weg geht nach Edessa, heute Sanli Urfa. Der Apostel Thomas wirkte hier. Die Stadt entwickelte sich zum Zentrum des syrischen Christentums. Kreuzritter bauten hier eine Zitadelle. Noch heute zieht es viele Menschen nach Edessa, wo sie die Geburtshöhle Abrahams und den Ort des Leidens Hiobs verehren. Wieder haben Christen und Muslime eine Gemeinsamkeit. Am frühen Morgen besichtigen wir die ganz jungen Ausgrabungen eines rätselhaften Heiligtums, das Steinzeitjäger vor fast 12 000 Jahren in Mesopotamien errichteten. Es ist fast unglaublich.
Fünfzig Kilometer vor der Stadt Sanli Urfa liegt das Dorf Harran. In der Zeit der Erzväter hatte die Stadt große Bedeutung. Abraham zog hier durch, später erscheinen die Namen von Isaak und Jakob. In dem heutigen Großdorf wird unsere Vesper im Hof von einmaligen „Trulli Häusern“ perfekt angerichtet. Wir dürfen diese herrlichen Wohnbauten besichtigen, die angenehm „klimatisiert“ sind.
Sanli Urfa hat einen wunderbaren Bazar. Hier nehmen wir uns Zeit, den Arbeitern bei ihren alten Handwerken zuzuschauen. Schuster, Schmiede, Schneider, Sattler, Silberschmiede alles Handarbeiten, die wir fast vergessen haben, sind hier lebendig. Mit einem Blick auf den Euphrat verabschieden wir uns vom Land.
Beim abendlichen Gottesdienst lassen wir die vergangenen Tage Revue passieren und sind Gott von Herzen dankbar für seine schützende Hand. Eine sehr erlebnisreiche Reise mir ganz vielen neuen Eindrücken geht zu Ende. Es war auch das Erlebnis der Gemeinschaft die sie prägte.
Unser Dank gilt Pfarrerehepaar Köger-Stäbler für den geistlichen Beistand und Walter Conrad, der uns auch auf dieser Reise sein großes Wissen wunderbar vermittelt hat.        

Helga Reichenbach